Mama Magazin
3. September 2017 Babys Flacher Hinterkopf

Flacher Hinterkopf beim Baby – Unsere Geschichte

Warum es passiert es? Was mache ich falsch? Bleibt es für immer so? So viele Gedanken und Gefühle hatte ich damals, und so geht es mir heute damit.

Babys Flacher HinterkopfSie war ein sehr glückliches Baby. Sie hat gerne gebadet, gespielt, gelacht und manchmal geschlafen. Meckern konnte ich als Mutter wahrlich nicht. Nur ihr flacher Kopf hat mir Sorgen bereitet. Alle andere Babys in der Gruppe schliefen mal mit dem Kopf zur Seite oder gar auf dem Bauch (unter ständiger Beobachtung der Mutter). Meine Tochter Lilly immer nur flach auf dem Rücken mit dem Kopf genau mittig. Sie sah sehr entspannt aus und ich habe einfach sehr lange gehofft es wird sich von alleine richten. Tat es aber nicht. Mit der Zeit wurde Lillys Kopf flach.

Was sagte die Kinderärztin dazu?

Sorgen machte sich die Kinderärztin nicht. Es würde alles in Ordnung sein und überhaupt sollte ich mit meinem gesunden Kind doch glücklich sein. Aber ich wusste etwas stimmt nicht. Mit sieben Monaten sass sie von alleine, rollte sich aber immer nur in eine Richtung. Krabbeln mit neun Monaten sah mehr aus wie einen Soldat; robben über den Boden und ständig eine Hand in der Luft.  Komisch einfach. So richtig wusste ich nicht was ich tun konnte. War es nur Eitelkeit? Manchmal versteckte ich ihren süßen, kleinen Kopf in Mützen damit ich die fragende Blicke in dem Mutter-Kind-Kreis nicht ertragen musste.

Drastische Maßnahmen

Ich recherchierte natürlich im Netz. In Amerika wird der sogenannte “Flat Head Syndrom” (zu Deutsch “Flacher Kopf Syndrom”) ziemlich oft behandelt. Kinder bekommen kleine Helme auf, die sie jeden Tag tragen müssen. Ich fand die Bilder schrecklich aber natürlich bekam ich mehr Panik zu lesen, dass viele Eltern aktiv etwas gegen den flachen Kopf tun und ich sah bei meinem Kind hilflos zu wie ihr Kopf immer flacher wurde. Schließlich entschied ich mich für ein Kopfkissen, wo mir die Werbung versprach den Kopf schnell wieder rund zu bekommen. Natürlich quatsch, sie schlief trotzdem auf dem Rücken, aber bequem war das Kissen trotzdem. Später (als sie sich wirklich selbstständig umdrehen konnte) kaufte ich ein Keilkissen, in der Hoffnung sie würde auf der Seite schlafen. Machte sie natürlich nicht. Sie hat sich im Bett so lange bewegt, bis sie ihre Lieblingsstellung auf dem Rücken gefunden hatte. Ich wusste nicht mehr weiter.

Ich Machte Mir Viele Vorwürfe

Natürlich machte ich mir selber Vorwürfe: Habe ich zu wenig “trainiert” mit meinem Baby? Hat sie zu wenig Zeit auf dem Bauch verbracht? Vorwürfe, die ich leider auch von einer Physiotherapeutin zu hören bekommen habe, als wir bei ihr Baby-Krabbel-Kurs gemacht haben. Muss man ein Baby “trainieren”? Aktiv war sie schon immer, nur auf dem Bauch fiel es ihr schwer den Kopf zu heben. Sie hatte sich angewöhnt, sich mit einem Arm zu stützen.

Hilfe aus dem Freundeskreis

Die Lösung kam zufällig. Eine Freundin mit älteren Kindern kam zu Besuch als Lilly fast ein Jahr alt war. Sie sah sofort, dass Lilly sich “anders” bewegte, und sprach mich darauf an. Sie sagte mir, dass ihr ältester Sohn sich auch ähnlich bewegt hatte und es hatte sich herausgestellt, dass er eine “Blockade” hatte. Blockade – Für mich ein Fremdwort. Sie erklärte mir, dass eine Blockade dazu führt, dass die Babys sich nicht frei bewegen können, weil die Muskeln zu angespannt sind. Ähnlich wie einen Hexenschuss. Sie gab mir eine Empfehlung für eine Ärztin hier in der Stadt, die sich um Blockaden bei Babys kümmert und sehr beliebt sei. Ich machte einen Termin und wartete ziemlich nervös auf diesen Tag.

Endlich kommt eine Lösung

Der Tag kam. Ich konnte nicht hin, ich schickte meinen Mann. Er kam ziemlich beeindruckt zurück und sagte die Ärztin hätte nur ein Paar Handgriffe gebraucht um festzustellen, dass Lilly tatsächlich eine Blockade im Hals hatte, und nur noch ein Paar Handgriffe mehr um diese Blockade zu lösen. Lilly hätte zwar gejammert aber schlimm sei es nicht gewesen, meinte mein Mann. Ich konnte nicht glauben, dass damit alles wieder besser wird. Ich war noch misstrauisch.

Zwei Tage später gingen meine Eltern mit Lilly ins Schwimmbad. Als sie zurückkamen haben sie uns ganz aufgeregt erzählt, dass Lilly gekrabbelt ist. “Richtig gekrabbelt! Stellt euch vor!”. Konnte ich nicht, ich sah immer nur meine kleine Robbe! Aber im Schwimmbad wollte sie einfach durch das Wasser gehen und ging auf einmal richtig auf die Knie. Ich freute mich aber blieb noch ein wenig skeptisch. Musste ich aber nicht. Ein Tag später fing sie auch zuHause an zu krabbeln und sich viel freier zu bewegen. Ich staunte.

Bleibende Schäden?

Nun war sie doch geheilt, oder? Aber der Kopf? Ich bekam eine Überweisung von der Ärztin für Physiotherapie. „Warum?“ Dachte ich, die letzte Physiotherapeutin hat auch keine Ahnung davon gehabt. Muss ich mir wieder anhören, dass mein Kind faul sei? Zum Glück nicht. Diese Physiotherapeutin kannte viele solche Fälle von Babys mit Blockaden und erzählte mir wie einfach so eine Blockade bei der Geburt entstehen kann. Oder das Baby schläft immer mit dem Kopf auf einer Seite und entwickelt eine “Lieblingsseite”. Es gibt viele Gründe warum ein Kind eine Blockade haben kann. Ausatmen!

Ein langer Weg – Aber sehr wichtig

Wir haben ein halbes Jahr wöchentlich Physiotherapie gebraucht um die Muskeln in Lillys Hals und Schultern auf zu bauen. Durch die Blockade hat sie diese Muskeln nicht wirklich benutzt, was den Anschein gäbe sie wäre faul. Jetzt mussten die kleine Muckis aufgebaut werden! Es fiel ihr (und mir) manchmal schwer aber es war wirklich wichtig. Sie fing an zu laufen und fiel oft auf den Kopf, weil sie die Hände zum abstützen nicht benutzen wollte. Auch diese Reflexe mussten wieder antrainiert werden. Harte Arbeit aber es lohnte sich. Wir sahen langsam Erfolge.

Wie Ist Es Heute?

Heute ist mein Baby kein Baby mehr sondern ein glückliches sieben jähriges Kind. Ihr Kopf ist nicht “perfekt” aber man erkennt es nur, wenn man weiß wonach man guckt. Ihre Muskeln sind stark und wir freuen uns immer, wenn sie schwimmt oder in den Bäumen klettert.

Ich weiss nicht wie es jetzt wäre, wenn wir diese Ärztin nicht gehabt hätten oder gar die Freundin, die alles angesprochen hatte. Von alleine hätte sich die Blockade nicht vollständig gelöst. Lilly hätte immer unbewusst eine Schonhaltung angenommen. Vielleicht wäre ihr das Schreiben in der Schule schwergefallen. Zum Glück muss ich es nicht wissen und ich bin sehr dankbar dafür.

Was Lernte Ich Daraus?

Gelernt habe ich daraus mehr auf meinen Bauchgefühl zu hören. Immer Fragen stellen. Immer nachfragen, wenn ich mir nicht sicher bin. Die Kinderärztin, die Physiotherapeutin vom Krabbenkurs – für mich beide Profis und doch erkannten sie nicht die Ursache für die Probleme von meinem Kind. Niemand kann alles wissen und deshalb bin ich jetzt auch selbstbewusster, wenn es um meine Kinder geht. Denn auch meine Meinung zählt und hat Gewicht. Auch ich bin ein Profi. Ich bin Mama.

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